Malteser Chronik

Die Anfänge des Malteserordens führen zurück ins Hochmittelalter, in die Zeit der Kreuzzüge: Die abenteurliche Geschichte der Malteser beginnt mit einem christlichen Spital in Jerusalem, in dem Mitglieder einer Laienbruderschaft kranke und verletzte Pilger und Kreuzritter pflegten. Dieses erste historisch verbürgte Krankenhaus war dem Heiligen Johannes gewidmet und der Beginn eines 900-jährigen Erfolgsgeschichte im Dienste am Menschen.

Die Anfänge im Heiligen Land

Nachdem die Kreuzritter Jerusalem 1099 eingenommen hatten, fanden sie dort ein christliches Hospital, in dem eine Laienbruderschaft kranke Pilger pflegte - das erste Hospital der Geschichte. Dieses Krankenhaus hatte bereits 1000 Betten und war dem heiligen Johannes geweiht. Viele Ritter schlossen sich dieser Bruderschaft an und traten damit in den Dienst an den Kranken; aber auch zahlreiche Ritter selbst wurden dort gepflegt und geheilt. So wurde dieses Hospital in ganz Europa berühmt.

Ein Orden ensteht

Ein Mönch aus dieser Laienbruderschaft, Meister Gerhard, gründete an den Pilgerwegen in Europa weitere Hospitäler und stellte eine Ordensregel für die Bruderschaft. Der Orden vom Spital des Heiligen Johannes zu Jerusalem war geboren. Im Jahr 1113 bestätigte der Papst ihn offiziell. Der Orden, der aus adligen Rittern, Nichtadligen und Geistlichen bestand, hatte die beste medizinische Versorgung zu bieten, die es zur damaligen Zeit gab. Die Kranken lagen in Betten mit Bettwäsche, erhielten Kleidung, Schuhe und einen Pelz und hatten, falls sie starben, Anrecht auf einen Sarg und ein christliches Begräbnis.

 

In Deutschland traten die Malteser erstmals 1154 auf: In Duisburg wurde die erste Ordenskommende gegründet, etwa um 1200 entstand das Großpriorat Deutschland.

Von Jerusalem nach Malta

Den christlichen Eroberern gelang es nicht, Jerusalem dauerhaft zu halten. So waren auch die Ritter des Ordens vom Spital des Heiligen Johannes gezwungen, die Heilige Stadt zu verlassen. Sie zogen sich nach dem Verlust Palästinas zunächst auf die Insel Zypern (1291) und später auf die Insel Rhodos zurück (1309).

 

1522 mussten sich die Ritter einer Belagerung durch die Osmanen geschlagen geben und auch Rhodos den Rücken kehren. Kaiser Karl V. belehnte den Orden 1530 schließlich mit der Mittelmeerinsel Malta. Dieser verdankt der Orden seinen heute gebräuchlichen Namen. Übrigens: Der Zins für das (seinerzeit noch unwirtliche) Lehen belief sich auf einen Falken pro Jahr. Den berühmten Malteser Falken hat es also wirklich gegeben.

Von Malta zum souveränen exterritorialen Staat

In den folgenden fast 300 Jahren auf Malta schrieben die Malteser in zweierlei Hinsicht Geschichte: einerseits als tapfere Verteidiger des Abendlandes, die osmanische Flotten ein ums andere Mal zurückschlugen und eine Landung des Sultans auf dem europäischen Festland verhinderten. Andererseits mit dem Bau des "Heiligen Hospitals", mit 155 Metern Länge, elf Metern Breite und zehn Metern Höhe dem größten Krankenhaus der Welt. Wieder waren die Malteser ihrer Zeit weit voraus: Von Anfang an verfügte das Spital über Einzelbetten, während Patienten in anderen Krankenhäusern mit bis zu acht Personen ein Bett teilen.

 

1798 jedoch vertrieben Napoleons einfallende Truppen die Ordensritter von der Insel. In den anschließenden Jahrzehnten blieb der Malteserorden zunächst nicht nur "heimatlos", sondern sah sich auch Verfolgung und Repression ausgesetzt. Das Großpriorat Deutschland wurde auf Anweisung Napoleons aufgelöst.

 

Schließlich aber sicherte der Vertrag von Verona den Fortbestand des Malteserordens als souveräner exterritorialer Staat, sprich: ein Volk ohne Land. 1834 ließen sich die Malteser offiziell in Rom nieder. Ihr Ordens- und Regierungssitz ist ein etwa 4.000 Quadratmeter großes Territorium auf dem Aventin-Hügel in Rom. An ihrer Spitze steht ein gewählter Großmeister, der den Rang eines königlichen Prinzen und eines Kardinals der katholischen Kirche einnimmt.

 

Malteser gab es über die Jahrhunderte freilich nicht nur in den offiziellen Ordensdomizilen: Zahllose Pilger hatten auf ihren Reisen nach Palästina die Segnungen der Arbeit der Malteser erfahren, viele vermachten dem Orden Besitztümer oder traten ihm - zurück in der Heimat – bei. Der Malteserorden war im ganzen Abendland verbreitet.

Der Weg zum Malteser Hilfsdienst

Nach der Entmachtung Napoleons strukturierte sich auch der Malteserorden neu und konnte bald schon seine karitativen Tätigkeiten in ganz Europa wieder aufnehmen: den Aufbau von Lazaretten, die Organisation von Hilfszügen im Ersten Weltkrieg, später den Kampf gegen die Lepra.

 

Unter Hitler waren dem Orden sämtliche Aktivitäten verboten. Nach 1945 nahmen die Malteser sich insbesondere der Flüchtlinge an. 1953 ging in Deutschland aus dem Malteserorden schließlich der Malteser Hilfsdienst hervor - also die Malteser, wie Sie sie vor allem kennen. Und alsbald trat der Malteser Hilfsdienst auch im Großraum Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland auf den Plan: 1957 in den Diözesen Trier und Limburg, 1962 in Mainz, 1963 in Speyer und Fulda.

 

Nach wie vor sind die Malteser karitativ tätig, überall in der Welt: in der Kranken-, Alten- und Sozialpflege, in der weltweiten Not- und Aufbauhilfe, im Hospizdienst, in der Prävention und Gesundheitsförderung, in der Jugendarbeit.

 

Die lange Geschichte der Malteser ist wechselhaft und abenteuerlich. Der Leitspruch des Ordens hat indes die Jahrhunderte überdauert. Auch heute leisten die Malteser rund um den Globus Dienst am Menschen unter einem gemeinsamen Motto: Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen.